Information zur Rasse

Das Alpine Steinschaf ist das Ergebnis Traditionellen Wissens über Schafzucht und Tierhaltung in Österreich.
Es zählt zum Typ des alten mischwolligen asaisonalen Steinschafs ohne Bergamasker-Einkreuzung.
Im Vergleich zu anderen Rassen ist das Fleisch vom Alpinen Steinschaf fettärmer, schmackhafter, fester und feinfasriger und verfügt über einen leichten Wildgeschmack. Das Alpine Steinschaf besitzt hinsichtlich der Kriterien Spinnbarkeit, Filzeigenschaften und Farbaufnahme gepaart mit den attraktiven Vliesfarben die höchsten Wollverarbeitungseigenschaften unter den Generhaltungsrassen und eignet sich daher besonders zur Wollverarbeitung.
Die Weidehaltung der Schafe trägt wesentlich zur Landschaftspflege bei, weshalb die Tiere ein wertvolles Stück Kulturgut darstellen.

Steinschaf:

Die Gruppe der Steinschafe zählt zu den ältesten Schafrassen des Ostalpenraumes. Quellen tendieren zum Zaupelschaf als Vorfahre des Steinschafs, während slowenische Quellen den Ursprung der Rasse im ursprünglichen Torschaf sehen. (BIETZKER, 2001)

Ursprünglich war das Steinschaf ein kleines, drahtiges, fast zierliches Hochgebirgsschaf, mit sehr dünnen, aber kräftigen Beinen und harten Klauen. Aufgrund seiner gedrungenen Gestalt war es besonders zur Ausnützung der höchsten Bergweiden geeignet.

Das Fleisch war fein, zart und von guter Qualität. Nur gelegentlich wurde Milch zur Käseerzeugung gewonnen.
Die Wolle diente damals der Deckung des Hausbedarfs in den bäuerlichen Wirtschaften sowie der Erzeugung von Loden. „Loden“ ist eine Sammelbezeichnung für dichte Streichgarne, vorwiegend aus Wolle, mit einer mehr oder weniger glatten Oberfläche, die heute in Österreich vor allem für die Trachtenerzeugung verwendet werden.

1938 wurde eine Rassenbereinigung durchgeführt, welche eine Steinschafzucht verbot und zur Entstehung des Deutschen Bergschafs (Braunes Bergschaf) beitrug. Infolge nahm die Steinschafpopulation rapide ab, sodass nur noch kleine Bestände der verschiedenen Schläge erhalten blieben, wie Tiroler Steinschaf, Montafoner Steinschaf, Bayerisches und Krainer Steinschaf, die sich in Leistung und Phänotyp stark unterschieden.

Alpines Steinschaf:

Das Alpine Steinschaf stellt die historische Ausgangsrasse für das Tiroler Steinschaf und die Bergschafzucht im Ostalpenraum dar. Wie das Krainer Steinschaf zählt es zum Typ des alten mischwolligen asaisonalen Steinschafs ohne Bergamasker-Einkreuzung.

1911 bezeichnete man das Steinschaf als eine vom Aussterben bedrohte uralte Schafrasse der österreichischen Hochalpen.

Das geringe Gewicht des Alpinen Steinschafs veranlasste jedoch die meisten Züchter dazu auf größere und fleischbetonte Rassen umzusteigen.
In den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden in Salzburg und Oberösterreich die letzten noch vorhandenen größeren Bestände endgültig systematisch verdrängt. Alpine Steinschafe wurden gezielt aufgekauft und anschließend geschlachtet. Die triebigen Steinschafwidder wurden von Gemeinschaftsalmen verbannt oder kastriert, damit sie die neuen Herden nicht kreuzten.

Nur einige wenige Tiere konnten bis heute in relativ abgelegenen, grenznahen Gebieten erhalten werden.

Ende der 1990er Jahre setzten in Österreich und Bayern die ersten Erhaltungsmaßnahmen ein.

Seit November 1999 wird die Rasse in Österreich planmäßig gezüchtet.

Im Jahr 2000 gab es in Bayern und Österreich insgesamt wieder 11 Züchter mit ca. 130 Muttertieren und 6 Bocklinien im Herdbuch.

Im Oktober 2000 trafen sich Züchter aus Bayern und Österreich, um für die einzelnen Alpinen Steinschafschläge Bayerns, Salzburgs und Tirols eine einheitliche Rassebeschreibung und Rassebezeichnung festzulegen. Im Vordergrund steht bis heute die Erhaltung der genetischen Variabilität. Tiere mit Erbfehlern, geringer Vitalität, schlechten Muttereigenschaften oder sonstigen Fehlern werden von der Zucht ausgeschlossen. Im selben Jahr wurde die Bezeichnung „Alpines Steinschaf“ für das Original- und das Bayerische Steinschaf festgelegt.

2003 untersuchte BAUMUNG die genetische Differenzierung der Schafrassen im Ostalpenraum. Dabei zeigte das Alpine Steinschaf deutlich genetische Distanzen zu den drei anderen Rassen der Steinschafgruppe Montafoner-, Krainer und Tiroler Steinschaf. Im Rahmen der Untersuchung konnten alle regionalen Steinschafrassen eindeutig als eigenständige Rassen eingestuft werden.

2004 wurde die Arbeitsgemeinschaft der Alpinen Steinschafzüchter gegründet.

Seit 2005 veranstaltet die Arbeitsgemeinschaft Alpines Steinschaf jährliche Treffen, bei denen allgemeine Punkte sowie aktuelle Themen besprochen, eine Wollsammlung durchgeführt und Betriebsbesichtigungen vorgenommen werden.

Das Alpine Steinschaf gilt in Österreich laut ÖPUL 2007 als „hochgefährdet“ und wird als „Seltene Nutztierrasse“ gefördert.

ALPINES STEINSCHAF:

Das Alpine Steinschaf wird auch Original Steinschaf oder Dachsteinschaf genannt. Der Zusatz „Original“ hat sich zwecks Abgrenzung gegenüber den Schlägen Bayerisches Krainer-, Montafoner- und Tiroler Steinschaf eingebürgert.

Rassenbeschreibung:

Das Alpine Steinschaf ist ein feingliedriges, kleines bis mittelgroßes Gebirgsschaf mit breitem und tiefem Körper. Das Kopfprofil ist gerade, das Nasenbein leicht gebogen. Die kurzen, spitz zulaufenden Ohren stehen waagrecht ab oder hängen leicht. Bei beiden Geschlechtern kommen sowohl unbehornte als auch behornte Tiere vor, wobei das männliche Horn deutlich stärker ausgebildet ist. Die Böcke tragen häufig einfach gebogene oder schneckenartige Hörner, bei Mutterschafen sind gelegentlich Hornansätze, Knaupen (Hornstummeln) oder einfach gebogene Hörner anzutreffen.

Auffallend ist das ausgesprochen trockene Fundament (wenig Fleisch am Gelenk). Die sehr harten, kleinen und am Außenrand scharfkantigen Klauen machen das Steinschaf zu einem sicheren Kletterer sowie unanfällig gegen Moderhinke.
Der Schwanz ist bewollt und reicht bis zum Sprunggelenk, das Ende ist häufig geknickt.

Der Widder verfügt über eine Widerristhöhe von 73 bis 80 cm, das Schaf von 65 bis 70 cm und über ein Gewicht von 60 bis 75 kg bzw. 45 bis 60 kg.

Typisch für das Alpine Steinschaf ist, dass es im Gesichtsfeld, am Unterkiefer sowie an den Füßen unbewollt ist. An diesen Stellen trägt es nur Deckhaare. Lämmer sind im Gegensatz dazu im Gesicht und an den Extremitäten stärker bewollt. Die bei beiden Geschlechtern häufig auftretende Mähnenbildung im Brust- und Nackenbereich ist ein Zeichen des ursprünglichen Rassetyps.

Für das Alpine Steinschaf ist, wie für alle übrigen Steinschafrassen, die grobe Mischwolle bestehend aus Wollfasern, Kurzhaar und Lang- oder Grannenhaar, charakteristisch. Beim Alpinen Steinschaf kommen alle Farbschläge vor, wobei Lämmer grauer Tiere schwarz geboren werden. Häufig treten Pigmentierungen des Gesichtsfeldes und der Ohren auf. Der überdurchschnittlich hohe Wollfettanteil und die grobe Wolle verhindern die Durchfeuchtung bei Regen und machen das Alpine Steinschaf wetterhart.
Der jährliche Wollertrag beträgt 2,5 bis 3,5 kg. Die Schur erfolgt zweimal im Jahr.

Eigenschaften:

Das Alpine Steinschaf zeichnet sich durch Langlebigkeit, Robustheit, Widerstandsfähigkeit, Wetterhärte, Genügsamkeit und eine gute Futterverwertung aus.
Es ist anpassungsfähig an die raue Haltung im Hochgebirge, trittsicher und nutzt selbst noch die für Rinder unzugänglichen Hochlagen.

Die alpine Schafrasse zeigt eine hohe Unempfindlichkeit gegenüber Verwurmung.

Der Herdentrieb ist sehr ausgeprägt. Der einmal gegangene Weideweg wird immer wieder benützt. Darüber hinaus sind die Tiere standorttreu.
Die Schafe verfügen über einen guten Fluchttrieb, was sich gegenüber Hunden und anderen Feinden ideal darstellt. Das Alpine Steinschaf zeigt noch ursprüngliche Verhaltensweisen wie Verstecken der Jungtiere unter Gebüsch als Schutz vor Adler und Fuchs, weshalb kaum Jungtierverluste während der Weideperiode zu verzeichnen sind.

Der besonders feinknochige Körperbau bedingt eine gute Schlachtausbeute.

Aufgrund der hohen Fruchtbarkeit und ausgeprägten Mutterinstinkte ist es besonders für Gebrauchskreuzungen mit Fleischrassen geeignet.
Eine einfache Handhabung und die außergewöhnliche Zutraulichkeit der Tiere macht die Rasse ideal für Neueinsteiger und für Betriebe mit Umtriebsweiden.

Methode der Produktion:

Haltung:

Durch die hohe Anpassungsfähigkeit eignet sich das Alpine Steinschaf sowohl für die Koppelschafhaltung als auch für die Alpung im Hochgebirge. Vor dem Wintereinbruch werden die Tiere ins Tal abgetrieben, wo sie die Wintermonate über in Ställen untergebracht sind. Die Schafe werden in Herden mit einer durchschnittlichen Größe von etwa 10 Schafen gehalten.

In Österreich beträgt der derzeitige Bestand an Alpinen Steinschafen etwa 400 Tiere.

Fütterung:

Im Anschluss an die Erstmilchphase (die ersten beiden Tage nach der Geburt) folgt die ausschließliche Milchphase. Ein Lamm trinkt dann bis zum 14. Tag nach der Geburt ausschließlich an der Zitze des Mutterschafes und nimmt keine sonstige Nahrung auf, da sich der Magen erst entwickeln muss.
Weibliche Tiere bleiben in der Regel bei der Mutter, männliche Jungwidder werden mit 4 bis 5 Monaten von der Herde getrennt und in einer Jungbockherde gehalten, da sie bereits zu decken beginnen.
Generell ernähren sich die Schafe von frischem Heu, Gras, Wasser und Kraftfutter. Zusatzfutter (Kraftfutter) zur Endmast darf verwendet werden, einerseits geschrotet, oder als Fertigfutter pelletiert. Die Verwendung von Silofutter ist erlaubt.

Ablammung:

Alpine Steinschafe sind frühreif. Weibliche Tiere erreichen mit 6 bis 7 Monaten Geschlechtsreife, männliche Tiere mit 4 Monaten.

Der Brunstzyklus ist asaisonal mit zwei Lammungen pro Jahr. Zwillingsgeburten sind die Regel, aber auch Drillingsgeburten kommen vor.

Die extrem triebigen Steinschafwidder bedingen kurze Zwischenlammzeiten und eine hohe Fruchtbarkeit.

Transport und Schlachtung:

Die Tiere sind mit 6 bis 8 Monaten und einem Lebendgewicht von 30 bis 35 kg (Milchlämmer) bzw. mit 10 bis 11 Monaten und einem Lebendgewicht von rund 40 kg (reife Lämmer) schlachtreif.
Altschafe werden geschlachtet und zu Dauerwurstwaren verarbeitet. 
Der Transport von lebenden Tieren muss so schonend wie möglich gestaltet werden. Es wird versucht, den Transportweg möglichst kurz zu halten, damit Stresssituationen weitgehend vermieden werden.
Nach der Schlachtung werden die Schlachtkörper durch Veterinäre offiziell tierärztlich beschaut und nach EUROP-Klassifizierung beurteilt.

Fleischbeschreibung:

Im Vergleich zu anderen Rassen ist das Fleisch vom Alpinen Steinschaf fettärmer, schmackhafter, fester und feinfasriger. Es verfügt über einen leichten Wildgeschmack das an Rehfleisch erinnert.

Junglämmer bis 8 Monate liefern mageres, fettarmes Fleisch besonderer Qualität. Reife Lämmer mit 10 bis 11 Monaten eignen sich wegen des gut marmorierten Fleisches besonders für Grillspezialitäten.

Wollbeschreibung:

Aufgrund der unterschiedlichen Farbvarianten liefert das Alpine Steinschaf Vliese in vielfältigen Farbschattierungen von meliert über silbergrau bis anthrazitfarben. Die grobe Mischwolle lässt sich gut verspinnen und zeigt eine intensive Farbaufnahme.

Das Alpine Steinschaf besitzt hinsichtlich der Kriterien Spinnbarkeit, Filzeigenschaften und Farbaufnahme gepaart mit den attraktiven Vliesfarben die höchsten Wollverarbeitungseigenschaften unter den Generhaltungsrassen und eignet sich daher besonders zur Wollverarbeitung.

Die Wolle verfilzt überdurchschnittlich schnell und ermöglicht eine rasche Herstellung von Wollprodukten. Filzprodukte erfreuen sich bedingt durch die grobe Mischwolle einer langen Haltbarkeit.

Ursprungsnachweis:

Die Lämmer sind, gemäß der Tierkennzeichnungs- und Registrierungsverordnung 2009, durch ein offizielles Zeichen (Ohrmarke) gekennzeichnet.

In der Folge ist die Rückverfolgbarkeit von der Verkaufsstelle zum Aufzuchtbetrieb gewährleistet. Dies bedeutet, dass in jeder Phase der Erzeugung das betreffende Lamm und sein Ursprungsbetrieb genau ermittelt werden können.

Alle Tiere sind herdbuchmäßig erfasst. Die Züchter werden einmal im Jahr von der zentralen Herdbuchführung nach ihrer Bestandsentwicklung abgefragt (periodische Ablammmeldungen).

Qualitätssicherung:

Es finden zentrale Widderankörungen (Ankörung = Zuchttauglichkeitsprüfung) statt, bei denen der Rassetyp, die Wolle, die Bemuskelung sowie die äußere Erscheinung nach bestimmten Kriterien beurteilt werden. Eine Beurteilung der Schafe erfolgt direkt am Hof.

Darüber hinaus erfolgen eine Abstammungskontrolle sowie eine Leistungsprüfung hinsichtlich Fruchtbarkeit.
Die Leistungsprüfung wird von einem Kontrollverband oder Beauftragten des Zuchtverbandes (Zuchtwarte) durchgeführt und steht unter der Aufsicht der Landwirtschaftskammer.
Es erfolgt keine Milchleistungskontrolle.

Vermarktung:

Fleisch vom Alpinen Steinschaf ist ganzjährig erhältlich und wird ebenso wie die Wolle direkt (ab-Hof) vermarktet. Zukünftig soll auch eine Vermarktung über die Gastronomie erfolgen, die sich derzeit aber noch im Aufbau befindet.
Wolle vom Alpinen Steinschaf wird unter anderem über das österreich-deutsche Wollprojekt vermarktet. Einmal im Jahr wird die Wolle österreichischer und deutscher Bestände zentral gesammelt und zu hochwertigen Woll- und Filzwaren veredelt.

Verwertung:

Fleisch vom Alpinen Steinschaf ist sowohl als Frischfleisch als auch vakuumverpackt erhältlich.
Die Wolle wird zu diversen Woll- und Filzprodukten verarbeitet wie Mützen, Handschuhe, Socken, Pullover, Filz-Einlagesohlen, Taschen, Rucksäcke, Troyer, Strickwesten, u.v.m. verarbeitet.
Vereinzelt werden auch die Felle vermarktet.

(Text vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus)
Stubenring 1, 1010 Wien